
Ende September füllen sich in vielen Eishallen wieder die Trainingspläne. Nach Monaten mit Kraftraum, Therabändern und Taktikbesprechungen fällt beim ersten Abend auf dem Eis vor allem eines auf: Wer im Rollstuhl sitzt und sich zwischen den Würfen kaum bewegt, kühlt schneller aus als die Läufer auf dem Nachbarsheet. Die richtige Kleidung entscheidet deshalb mit darüber, ob die Hand beim letzten Stein noch so ruhig ist wie beim ersten.
Warum Rollstuhlcurler anders frieren
Beim klassischen Curling wird gewischt, gelaufen und gekniet. Beim Rollstuhlcurling fällt das Wischen weg, und die Spielerinnen und Spieler bleiben über lange Phasen an ihrer Position. Die Kälte steigt vom Eis auf, und gerade Beine und Füße bekommen kaum Bewegung ab. Wer eine eingeschränkte Sensibilität hat, bemerkt Kälte an Füßen oder Unterschenkeln unter Umständen gar nicht. Das ist ein guter Grund, Kleidung und Pausen bewusst zu planen, statt sich auf das eigene Gefühl zu verlassen.
Eine Partie zieht sich über viele Ends. In dieser Zeit wechseln kurze Momente höchster Konzentration mit längerem Warten. Genau dieses Warten macht die Kälte zum Thema.
Das Zwiebelprinzip, angepasst an den Sitz
Mehrere dünne Schichten sind besser als eine dicke Jacke. Im Rollstuhl kommt es zusätzlich darauf an, dass nichts zwischen Rücken und Lehne Falten wirft oder beim Wurf spannt.
- Unterste Schicht: Funktionsunterwäsche aus Merino oder Kunstfaser. Baumwolle nimmt Schweiß auf und bleibt feucht, das kühlt aus.
- Mittlere Schicht: eine dünne Fleece- oder Wolljacke, die im Sitzen nicht aufträgt und unter den Achseln Platz lässt.
- Außen: eine leichte, winddichte Jacke mit eher kurzem Schnitt. Lange Jacken rutschen hinten in den Sitz und stören.
- Für die Beine: eine gefütterte Hose oder eine Beindecke mit Klettverschluss, die sich ohne Umsetzen an- und ablegen lässt.
Probieren Sie die Kombination vor dem ersten Training im eigenen Sportrollstuhl aus und machen Sie die Wurfbewegung ein paar Mal nach, ob mit der Hand oder mit dem Delivery-Stick. Was an der Schulter zieht, wird auf dem Eis nicht besser.
Hände, Füße und Kopf
Handschuhe sind immer ein Kompromiss. Die Wurfhand braucht Gefühl für Griff oder Stick. Viele tragen deshalb an der Wurfhand einen dünnen Handschuh und ziehen zwischen den Würfen einen Fäustling darüber. Handwärmer in der Jackentasche sind angenehm, sollten aber nie direkt auf Haut mit vermindertem Empfinden liegen.
Bei den Füßen helfen gefütterte Schuhe, die nicht eng sitzen, und dicke Socken. Eine zu feste Schnürung behindert die Durchblutung. Fußplatten aus Metall leiten Kälte, eine zugeschnittene Auflage aus Filz oder Neopren ist ein einfacher und günstiger Trick. Eine dünne Mütze oder ein Stirnband unter der Kapuze rundet das Ganze ab.
Kleine Routine für jeden Trainingsabend
Packen Sie eine Thermoskanne mit warmem Tee ein und nutzen Sie die Wartezeit zwischen den Ends für kurze Mobilisationsübungen: Schultern kreisen, Arme ausschütteln, den Oberkörper leicht drehen. Reinigen Sie vor dem Betreten der Bahn die Reifen, damit kein Sand oder Splitt von draußen aufs Eis gelangt. Und wer eingeschränkt spürt, schaut nach dem Training zu Hause Füße und Beine auf Druckstellen oder Verfärbungen an. Das dauert zwei Minuten und erspart unter Umständen wochenlange Pausen.