
Rollstuhlcurling hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten von einer Randsportart zu einer festen Größe im paralympischen Wintersport entwickelt. Erstmals 2006 bei den Paralympics in Turin ausgetragen, begeistert die Disziplin heute Athletinnen und Athleten weltweit – und das Publikum gleich mit.
Was Rollstuhlcurling besonders macht
Anders als beim klassischen Curling wird beim Rollstuhlcurling nicht gewischt. Der Stone wird mit einem speziellen Stick aus dem Rollstuhl heraus geschoben – mit reiner Kraft, Technik und Präzision. Die Eisfläche bleibt in ihrem natürlichen Zustand, was jedem einzelnen Wurf eine zusätzliche taktische Komponente verleiht.
Ein Team besteht aus vier Spielerinnen und Spielern, wobei die Regel besagt, dass im gemischten Format immer mindestens eine Person pro Geschlecht auf dem Eis stehen muss. Dieses Prinzip macht Rollstuhlcurling zu einer der inklusivsten Disziplinen im gesamten Spitzensport.

Die Ausrüstung
- Sportrollstuhl: Stabil, leicht, mit speziellen Reifen für glatte Oberflächen
- Delivery-Stick: Verlängert den Arm und ermöglicht präzise Wurfabgaben
- Stones: Standardisierte Granitsteine mit einem Gewicht von rund 20 Kilogramm
- Eisausrüstung: Warme, bewegliche Kleidung und rutschfeste Handschuhe
Taktik und Mannschaftsgeist
Rollstuhlcurling ist in hohem Maße ein Kopfsport. Wie beim Schach müssen die Spielzüge mehrere Runden im Voraus geplant werden. Welcher Stein soll wohin gelegt werden? Wann ist Verteidigung sinnvoll, wann der offensive Angriff auf das Haus? Gerade weil das Wischen entfällt, ist jede Entscheidung endgültig – ein Luxus, den es im klassischen Curling so nicht gibt.
Der Sport lebt vom Teamgedanken. Skip, Third, Second und Lead müssen sich nahtlos abstimmen. Kommunikation während des Spiels ist erlaubt und erwünscht – und genau hier entstehen die Momente, die einen kalten Hallenabend unvergesslich machen.

Einstieg in den Sport
Wer Interesse am Rollstuhlcurling hat, findet in vielen deutschen und europäischen Curling-Vereinen inklusive Trainingsgruppen. Die Curling-Verbände fördern den Einstieg gezielt, Schnupperkurse sind oft kostenlos. Besonders geeignet ist der Sport für Menschen mit Einschränkungen der unteren Extremitäten, aber auch für Begleit- und Familienmitglieder, die sich in einem Team messen möchten.
Die benötigte Ausrüstung stellen die Vereine in der Regel zur Verfügung – ein normaler Alltagsrollstuhl reicht für den ersten Kontakt völlig aus. Erst bei ambitionierterem Training lohnt sich die Anschaffung eines spezialisierten Sportrollstuhls.
Ein Sport mit Zukunft
Die wachsende Medienpräsenz bei Paralympics und Weltmeisterschaften zeigt: Rollstuhlcurling gewinnt an Sichtbarkeit. Was auf dem Eis entsteht, ist nicht nur Wettkampf, sondern auch ein gelebtes Statement für Inklusion im Sport. In einer Disziplin, in der Geschwindigkeit und Technik gleichermaßen zählen, wird schnell deutlich: Die Grenzen dieses Sports sind dort, wo man sie zu ziehen versucht – nicht, wo sie real sind.